Der Elbtower sollte Hamburgs Antwort auf die großen Hochhausstädte werden: 245 Meter, 64 Etagen, Büros, Hotel, Aussichtsplattform — entworfen von David Chipperfield Architects, gebaut von der Signa-Gruppe um René Benko, gefeiert von der Politik. Stattdessen steht am Ostrand der HafenCity ein Betonstumpf von etwa 100 Metern. Im Volksmund hat er einen Namen bekommen, der so treffend wie unbarmherzig ist: der kurze Olaf.
Der Name verbindet zwei Wahrheiten. Erstens die bauliche: Der Turm ist unfertig und deutlich niedriger als geplant. Zweitens die politische: Olaf Scholz präsentierte das Vorhaben im März 2017 als Erster Bürgermeister auf der Immobilienmesse MIPIM in Cannes. Er machte den Elbtower zu einem Leuchtturmprojekt der Stadt. 2018 wechselte er nach Berlin. Die Rechnung — Bauruine, Insolvenz, Bahnhofsschäden, geplante Steuermillionen — blieb in Hamburg.
Natürlich hat Scholz keinen einzigen Betonmischer bedient. Signa hat gezahlt und nicht gezahlt; Benko sitzt in Untersuchungshaft; der Generalunternehmer Adolf Lupp legte die Arbeit im Oktober 2023 nieder. Wer aber das Projekt politisch startete, den Investor akzeptierte und den Standort neben dem S-Bahnhof Elbbrücken mittrug, trägt Verantwortung für die Weichenstellung. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern die Logik von Großprojekten: Wer eröffnet, haftet für die Erzählung — auch wenn er später woanders regiert.
Heute verhandelt das Becken-Konsortium über den Weiterbau, Hamburg plant ein Naturkundemuseum für 595 Millionen Euro in den unteren Etagen, die Zielhöhe schrumpft auf 199 Meter. Der Spitzname bleibt. Ausführlicher Essay: Der kurze Olaf →